Allegra! Schönes, warmes Wetter, herrliche Bergkulisse, Sicht auf den See und gesunde Bergluft – was klingt wie aus einem Werbeprospekt war auch so. Ferien im Engadin, eine wunderschöne Sache. Was man dort oben so macht? Am meisten fallen die vielen Windsurfer und Kitesurfer auf dem Silvaplanasee auf. Es herrscht Hochbetrieb. Einfach nur geil. Vielleicht versuch ich es mal auch. Aber ganz untätig waren wir auch nicht: Biketouren, Wanderungen über Maloja zum Cavloc-See, Wanderung über St. Moritz zum Gipfel des Piz Nairs auf über 3000 Metern, Joggen um die Seen von Champfer und St. Moritz, Ausflug zum hochgelegenen Wasserfall über Surlej, Wellness & Massage in Pontresina, Shoppingtripp ins italienische Livigno. Ach ja, und ein Golfturnier habe ich auch noch gespielt. Ich wusste doch, dass da noch etwas Kleines fehlt

Ich habe mittlerweile schon viele Plätze gesehen. Am meisten gespielt habe ich in der Schweiz, aber auch in Österreich, Italien, Deutschland, Spanien (Gran Canaria, Teneriffa), Malta und in der Slowakei war ich unterwegs, ja auch in Kanada stand ich auf dem Platz, und der 17-Mile Drive in Kalifornien hat mich gar auf den Platz von Pebble Beach geführt. Darunter sind ein paar wahre Perlen. Letzte Woche kam nun ein neues Erlebnis dazu: Spielen in der Höhenluft auf fast 2000 Meter auf dem Platz des Engadin Golf Club in Zuoz-Madulain. Während der Platz in Samaden eher flach ist und einem Links-Course gleicht, ist der Platz in Zuoz mit vielen Steigungen und einigen blinden Löchern versehen. Darum war ich skeptisch, als ich am morgen früh nach Zuoz fuhr. Doch die Skepsis wich bald purer Begeisterung. Am morgen die frische Luft zu riechen, die Berge zu sehen und inmitten sehr freundlicher Golfkollegen ein paar Putts zum aufwärmen zu lochen, wow, so was habe ich selten erlebt! Freundlichkeit, Spass und paradiesisches Panorama, einfach nur zu empfehlen. Kommt dazu, dass ich schon auf der Range gemerkt habe, dass die Bälle in der Höhe einfach ein bisschen weiter fliegen. Cool!

Mein Flight war echt super. Dabei waren der Koch eines ausgewiesenen Gourmetempels, ein Zürcher Anwalt mit traumhaftem Haus in Pontresina und eine Immobilienmaklerin aus gleichem Ort. Bis auf einige Regelfragen und am Anfang extrem langsames Spiel hatte ich selten mit einer so coolen Truppe gespielt. Aber in dieser traumhaften Umgebung kann man sich wohl einfach gar nicht anders fühlen.

Wie habe ich gespielt? Bereits beim Durchschauen des Birdiebooks habe ich gemerkt, dass der Platz nicht wirklich lang ist. Kombiniert mit der Tatsache, dass ich seit Wochen keinen brauchbaren Drive mehr in die Fairways dieser Welt rausgeballert habe, führte das zu folgender Spielstrategie: Heute spiele ich nur mit Eisen vom Tee. Dieser Strategie blieb ich übrigens bis zum Schluss treu.
Am ersten Abschlag war ich dann wie gewohnt sehr spät dran. Dieses Mal lag es daran, dass ich den Weg vom Chipping Green zum Tee1 massiv unterschätzt hatte. Nicht wirklich gut, wenn man als erster Abschlagen muss. Am Tee1 erwartete mich neben dem coolen Flight auch eine nette Dame, die uns nochmals über den Ablauf, den Apero und die Siegerehrung informierte. Zudem reichte sie uns rote Stifte, um unsere Bälle zu markieren. Perfekter Service, sehr professionell!

Ich legte los wie die Feuerwehr. Eisen 3 vom Tee, 210 Meter, genau zwischen die beiden Fairwaybunker in die Mitte der Spielbahn, laut GPS noch 90 Meter zur Greenmitte. Nun hatte ich die Aufmerksamkeit meiner Flighpartner und ein gutes Gefühl für den Start. Den zweiten Schlag habe ich, dank der lieben Höhenluft, hinter das Green geballert. Und da war leider Out of Bounds, Birdiebook studieren würde helfen. Nachladen, nochmals zu lang, Chip zurück, zwei Putts. Eine 7, und dass nach so einem Abschlag. Fuck, bereits eine Chance verspielt, ganz grosses zu leisten. Loch 2: Eisen 3 vom Tee, Eisen 5 Mitte Spielbahn, Wedge ins Green, zwei Putts, Par. So geht das. Loch 3: Eisen 3 Mitte Fairway, Eisen 9 hinters Green (OUT OF BOUNDS!), Strafschlag, Nachladen, Pitching Wedge aufs Green, Monsterputt, Bogey. Wieder eine Chance verspielt. Birdiebook lesen würde helfen. Am nächsten Par 3 spielte ich Par. Loch 5, Par 4: Eisen 3 Mitte Fairway, Eisen 8 nähe Fahne aufs Green, super Putt, Birdie. Geil, langsam komme ich in Fahrt! Bahn 6: Abschlag ins Out, Abschlag etwas kurz ins Fairway, Eisen vors Green, guter Pitch, 2 Putts, 7, Doppel Bogey.
Ich hatte also 6 Bahnen gespielt und dabei 3 Bälle ins Out geschlagen. Richtig, daraus resultierten 6 zusätzliche Schläge. Bin ich dumm oder was? Dabei spielte ich eigentlich verdammt gut! Zwei weitere Bogeys rundeten die ersten 9 Löcher ab. 46 Schläge, man rechne nur mal ohne die Strafschläge, und ein komisches Gefühl begleiteten mich zur Zwischenverpflegung in der coolen Berghütte.

Verlieren konnte ich nun nichts mehr. Super Abschlag ins blinde Fairway, dann zu kurzer Approach mit Wedge, super Chip, super Putt. Par. Los, du kannst es. An der 11 kam nochmals ein Par dazu, an der Bahn 12 noch ein Par und auch an der Bahn 13 spielte ich ein Par. 4 Par in Serie zum Start der zweiten Neun. Ich wusste es, ich kann es!
An der Bahn 14 kam dann nochmals ein Par dazu, ein traumhaftes Par3 mit erhöhtem Abschlag auf ein tiefer liegendes Inselgrün. 5 Par in Serie. Verdammt bin ich gut! Dazu kamen dann noch 3 Bogeys und am letzten Loch ein Doppel Bogey (Approach knapp in Bunker, Bunkerschlag, 3 Putts). Depp! Trotz des Missgeschicks am letzten Loch spielte ich eine 41, eine saubere Leistung! Zusammen mit den Frontnine ergab das dann 87 Schläge und damit genau 36 Punkte. In der Retroperspektive betrachtet hatte ich also mit meinem übermotiverten Parputt auf der 18 eine Handicapverbesserung verspielt.

87 klingt nach einer guten Runde, vor allem auf einem fremden Platz mit einigen blinden Löchern. Zudem habe ich sehr gut vom Tee gespielt, gut gechippt und super geputtet. Nur die Approaches waren teilweise etwas dünn getroffen und bedingt durch die Höhenluft vor allem am Anfang zu lang. Wenn ich mir überlege, was ich auf den Frontnine und am Loch 18 so verspielt habe, dann wird mir schlecht! Echt, ich bin langsam aber sicher wie Carl Lewis, scheiss Start und dann Vollgas auf der Zielgeraden. Nur bin ich dieses Mal kurz vor dem Zielband noch über die eigenen Füsse gestolpert.
Ach ja, auch das Weizen schmeckt auf der Sonnenterrasse in der Höhe vorzüglich. Viva!
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